Lionel-Geschichte

 

Die Geschichte der Firma LIONEL beginnt im Jahre 1900 als sich Joshua Lionel Cowen mit Gründung seiner Firma in New York zur Herstellung von Elektroartikeln entschließt. Im Jahr 2000 konnte LIONEL sein 100-jähriges Jubiläum feiern. 

 

 

1901 – 1942 (Prewar-Ära)

Anfangs produziert die Firma LIONEL verschiedene Elektroartikel. Der Geschäftserfolg ist zunächst eher verhalten. Dann kommt Joshua Lionel Cowen auf die Idee, eine einfache elektrische Miniatureisenbahn zur Dekoration von Schaufenstern herzustellen. Das ist die Geburtsstunde der legendären LIONEL-Trains. Die Nachfrage steigt sprunghaft an und LIONEL konzentriert sich von nun an ausschließlich auf die Entwicklung neuer Modelle. Nach verschiedenen Experimenten mit Spurweiten und Maßstäben wird 1906 nicht zuletzt aufgrund entsprechender Konkurrenzangebote die Dreileiter-Spurweite „Standard O-Gauge“ eingeführt. Im Laufe der nächsten Jahre wächst das Angebot an Lokomotiven, Wagenmodellen und Zubehör kontinuierlich. Das verwendete Material besteht überwiegend aus wundervoll lithographiertem Weißblech. Die goldenen Zwanziger bescheren LIONEL explosionsartige Umsatzzuwächse. Die ersten Lokomotiven aus Zinkdruckguß werden hergestellt. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise 1929 wird zur Wiederbelebung der stark gesunkenen Umsätze ein zusätzliches Gleissystem mit der Bezeichnung „027“ als Grundausstattung für preiswertere Zugpackungen eingeführt. Aufgrund der Knappheit von Rohstoffen nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges  muss die Produktion im Jahre 1942 vorübergehend eingestellt werden.

 

1945 – 1969 (Postwar-Ära)  

Mit der Wiederaufnahme der Produktion im Jahre 1945 läutet das Unternehmen die zunächst glorreichste Ära seines Bestehens ein. Neue Fertigungstechniken und die Entdeckung von Kunststoff als ideales Material für die Aufbauten von Waggons und Zubehör steigern das Einfallsreichtum der LIONEL-Ingenieure und führen zu einer stetigen Ausweitung des Angebotes. Lokomotivmodelle werden zunächst aus den letzten Jahren der Prewar-Ära übernommen. Allerdings kommt es hier zu einigen Veränderungen, da die Produktionskosten kontinuierlich ansteigen. So werden beispielsweise die Treibräder nicht mehr mit durchbrochenen sondern nur noch angedeuteten Speichenstreben versehen. Rauchgeneratoren werden eingeführt und ein neuer Kupplungstyp erlaubt erstmals das ferngesteuerte An- und Abhängen von Waggons. Neue legendäre Lokomotivtypen und „Operating-Boxcars“ werten die Attraktivität der Produkte weiter auf.

Geradezu sensationell ist das Angebot eines „Electronic-Systems“ im Jahr 1947, das ohne zusätzliche Verkabelung die ferngesteuerte Betätigung von Pfeifgeneratoren, Kupplungen, Weichen, Signalen und Operating Boxcars ermöglicht. Dazu werden mittels elektronischer Bauteile – vergleichbar mit dem heute üblichen Digitalsystem - neben der Wechselstromspannung auch Gleichstromimpulse in den Schienenkreis eingespeist. Aufgrund des hohen Verkaufspreises kann sich dieses System jedoch nicht durchsetzen und verschwindet bald wieder vom Markt.

Mit dem Einsetzen des Baby-Booms steigt die Nachfrage nach Modelleisenbahnen enorm und LIONEL erlangt aufgrund des reichhaltigen und am Vorbild orientierten Angebotes unangefochten die Marktführerschaft. 1950 feiert LIONEL 50-jähriges Jubiläum und erreicht 1953 die höchsten Umsätze der Geschichte. Bereits zwei Jahre später  jedoch sind die Umsatzzahlen erstmals rückläufig. Zahlreichen Wettbewerbern wie z.B. American Flyer ergeht es kaum anders. Das Kaufinteresse lässt spürbar nach. Die jüngeren Kinder übernehmen die Modellbahn ihrer älteren Geschwister. Neue und moderne Angebote der übrigen Spielzeugindustrie sorgen für eine starke Interessenverlagerung des Nachwuchses. Die Modellbahn steht nicht mehr an erster Stelle auf dem Wunschzettel. 1958, als sich Joshua Lionel Cohen im Alter von 78 Jahren aus dem Geschäft zurückzieht, muss erstmals ein Verlust ausgewiesen werden. LIONEL versucht dieser Entwicklung zwar noch gegenzusteuern und ergänzt das Angebot um zahlreiche neuartige Militär- und Weltraumartikel und bringt außerdem eine Autorennbahn und weitere Produkte wie Chemiekästen, Wetterstationen und Angelartikel auf den Markt. Die Maßnahmen helfen allerdings nur vorübergehend. Anfang der 60er Jahre schreibt LIONEL nur noch rote Zahlen und versucht durch die Übernahme anderer, noch profitabler Firmen den drohenden Ruin abzuwenden. Nach dem Tod von J. L. Cowen im Jahre 1965 erreicht der Umsatz weniger als fünf Prozent des Spitzenjahres 1953. 

1967 werden sämtliche Fertigungsmaschinen verkauft und 1969 kommt es zu einer Verlagerung von weiten Teilen der Modellbahn-Produktion nach Japan. Noch im selben Jahr trennt sich der Konzern von der Modellbahnsparte und überträgt diese an den Industriegiganten General Mills (Model Products Corporation MPC). Das Markenrecht wird jedoch nur verliehen und verbleibt im Eigentum der ursprünglichen LIONEL Corporation, die als Holding weiterhin bestehen bleibt und Mitte der 90er Jahre Konkurs anmelden muss.

 

1970 – 1986 (Fundimensions-Ära)

Unter General Mills beginnt die sogenannte „Fundimensions“-Ära nach dem gleichnamigen Unternehmenszweig für die Spielzeugproduktion des Konzerns in Mount Clemens, Michigan. In den frühen 70er Jahren ist das angebotene Sortiment zunächst relativ klein. Nach und nach erscheinen jedoch neue Lokomotiven, Wagen und Zubehör, so dass 1978 der Umfang des Angebotes etwa dem der frühen 50er Jahre entspricht. Zu Beginn der 80er Jahre besteht die überwiegende Mehrheit der Modelle bei gleichzeitig guter Qualität nahezu ausschließlich aus Kunststoff, um die Produktionskosten möglichst gering zu halten. Eine zwischenzeitliche Verlagerung der Produktion nach Mexiko bringt enorme Qualitätseinbrüche und Akzeptanzprobleme mit sich und wird wieder rückgängig gemacht. 1985 wird Fundimensions aufgrund von Ertragsproblemen in General Mills neues Unternehmen Kenner-Parker integriert und die Produktion der Modellbahn drastisch reduziert. Ein Jahr später wird LIONEL Trains an den in Detroit ansässigen Immobilienmakler Richard Kughn verkauft.

 

1987 – heute

Das von Richard Kughn geführte Unternehmen LIONEL Trains Incorporated (LTI) versucht durch die Ausweitung des Angebotes Marktanteile zu gewinnen und mit der kurzweiligen Wiederauflage einiger Vorkriegsmodelle auch Sammler anzusprechen. Hohe Qualitätsansprüche und technische Innovationen wie elektronische Umschaltrelais, Lokgeräusche und Fahrgeräte verhelfen dem Namen LIONEL wieder zu einem guten Ruf unter den Modellbahnfans. 1995 erwirbt Wellspring Associates LLC das Unternehmen LTI sowie die Markenrechte der kurz vor dem Konkurs stehenden LIONEL Corporation. Der bekannte Sänger Neil Young (Crosby, Stills, Nash & Young) gehört zu dem Investorenkreis der neuen Firma LIONEL LLC, die sich vorgenommen hat, das Modellbahn-„Feeling“ der frühen 50er Jahre wieder aufleben zu lassen. 

Das aktuelle LIONEL-Programm wird überwiegend in Fernost hergestellt. Die Produktionslinie ist von der Qualität und dem Umfang äußerst beachtlich. Anknüpfend an die Erfolge der Postwar-Ära ist es nicht verwunderlich, dass neben zahlreichen Neuerscheinungen auch Lokomotiven, Wagen und Zubehör als Wiederauflagen, zum Teil in limitierter Stückzahl, auf den Markt gebracht werden. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, schaut sich einfach den neuesten LIONEL-Katalog (inkl. American Flyer) auf der LIONEL-Website an. Viel Spaß dabei! 

  

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